St. Aegidi-Keller,
historisches Gasthaus, mit Weinkeller unter der Kirche,
Kleinod aus der Zeit der Stauferkaiser,
anno Domini 1159


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St.Aegidi-Keller


Geschichte
Chronik
Urkunde 1159
Alte Bilder
Bilder nach 1980


Ein Blick in die Vergangenheit

Die Geschichte des St.Aegidi-Kellers ist untrennbar verbunden mit der Geschichte der Kirche St.Aegid (St.Gilgen am Forum).

Sie beginnt mit dem Bau der Kirche anno 1159 auf dem Alten Markt des Thumer-Viertels, genauer mit einer Urkunde.

In dieser Urkunde von 1159 erhält Heinrich, mit dem Beinahmen Loubecce, vom Salzburger Erzbischof Eberhard von Biburg (1147 bis 1164), die Erlaubnis auf seinem Grund eine Kirche zu bauen.
Laut Urkunde wurde zwischen beiden Parteien vor der Unterzeichnung verhandelt.
Es ging also Loubecce um mehr, als nur ein Gotteshaus bauen zu dürfen.

Was hat ihn also bewogen eine Kirche zu erbauen?

Wer war dieser Loubecce?

An Geldmangel litt er sicherlich nicht.

Mutmaßlich war er einer der 16 Sudherren, die an der Salzerzeugung und am Salzhandel sehr gut verdienten.

Zu jener Zeit ergriffen geschäftstüchtige Sudherren in Hall die Initiative zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung.
Wie überall im Reich entwickelte sich das städtische Bürgertum.

Weil die 16 Siederfamilien auch die 16 Stadträte von Hall stellten, konnte Loubecce auch in eigener Sache agieren.

Vieleicht war Loubecce auch ein frommer Mensch, sicher jedoch war er ein viefer Geschäftsmann.
Die Kirche dürfte er aus rein geschäftlichem Kalkül errichtet haben.

Alles deutet darauf hin, daß Loubecce mit dem Bau der Kirche sich das Recht erkauft hatte Bier zu brauen und auszuschenken:

  • Die „ Brauerei- und Gastwirtschaftsgerechtsame“, die seit „unvordenklicher Zeit“ im Grundbuch eingetragen ist.

  • Die völlige Unterkellerung der Kirche.
    Ist im Kirchenbau nicht üblich! In alten romanischen oder gotischen Kirchen findet man nur eine kleine unterirdische Grabanlage unter dem Chor, die Krypta; Und eine Krypta existiert hier nicht; Die Krypta wäre auch direkt zu erreichen von der Kirche aus.

  • Die breite, schöne Treppe, die von der Gaststätte St.Aegidi-Keller in den Weinkeller unter die Kirche führt.

  • Die Treppe, die ursprünglich vom Aegidiplatz direkt in den Weinkeller führte (siehe unter Bilder!). Der Rest der Treppe ist innerhalb der Gemäuer noch erhalten.

  • Die zugemauerte Türöffnung im Kirchturm, die man entdeckte, als er 1978 abgetragen werden mußte.
    Diese Türe führte direkt in das obere Stockwerk des angebauten alten Bräus, der mutmaßlichen Wohnung von Loubecce und dessen Nachfolger.
    Loubecce konnte also bequem von seiner Wohnung über den Turm in seinen Bier / Weinkeller gelangen und in die Kirche.

  • Die Chronik des Bräus.

  • Merkwürdig und interessant ist auch der Gewölbestich im Keller, der zum Nachbargebäude, dem früheren Bäcker-Jäger-Haus führt. Mutmaßlich war es früher ein Kloster (Ankucken!).
    Die direkte Zugang vom Kloster zum Bier / Weinkeller würde Sinn machen:
    In den Klöstern war Bier wegen der langen Fastenzeit (124 Tage / Jahr) unentbehrliches Grundnahrungsmittel.
    Möglich, daß die Bierlieferung ans Kloster bereits Gegenstand der Verhandlung war zwischen dem Salzburger Erzbischof Eberhard von Biburg und Loubecce.

Zuletzt geändert: 18.12.2016, 22:49:37 von Bruno Biernath, sen.

Der Name Thumer = Domer ist begründet in der jahrhundertelangen Herrschaft des Erzbischöflichen Dobkapitel Salzburg über dieses Stadtviertel beim Alten Markt, das vorwiegend von Kaufleuten bewohnt war.

Der Name Loubecce wird erwähnt 137 Jahre später in einer Urkunde vom 12. 10. 1296. Darin verzichtet ein Konrad Loubecce im Kloster Altenhohenau auf das Sieden zu Hall.

Ins Moderne übertragen eine typische „Win–Win“ Situation. Eine Win-Win-Situation zeichnet sich dadurch aus, daß alle Beteiligten von ihr profitieren (engl.: to win; dt.: gewinnen).

Das Recht Bier zu brauen und Gastwirtschaft zu betreiben; Eine sehr alte Formulierung! Dieses Recht ist auf den St.Aegidi-Keller übergegangen.

Der Turm musste abgetragen werden, weil er seit dem Stadtbrant 1834 einsturzgefährdet war, ohne dass man es wußte. Er stürzte nur deshalb nicht ein, weil er vom angebauten Russischen Hof gestützt wurde. Brennendes Gebälk stürzte 1834 in den Turm und glühte noch tagelang weiter. Wegen der langen Gluthitze wurden die Mauersteine am Fuße des Turmes mürbe und brüchig.
Als der Russische Hof abgerissen wurde, geriet der Turm in eine bedenkliche Schieflage (70 cm gegen den Aegidiplatz!).